Steigende Dieselpreise: "Bei 1,20 Euro ist Ende"
SNordwestkreis - Die Stimmung unter den Spediteuren der Region ist nicht besonders gut, Und mit jedem Cent, um den sich der Diesel verteuert, geht sie weiter in den Keller. Einen Vorteil haben lediglich jene Firmen, die im Ausland billiger tanken können. Für alle anderen ist der Endpunkt an der Zapfsäule bald erreicht.

Freitag, 1. Juli 2005 in den Lübecker Nachrichten
Wenn das ein Dauerzustand ist, dann muss man wohl die Firma verkleinern und Personal abbauen", kommentiert der Dassower Speditionsunternehmer Harry Liebke die flottweg nach oben galoppierenden Preise an den Tankstellen. Und wenn's ganz bitter kommen sollte, dann bleiben seine knapp zwei Dutzend 40-Tonner einfach stehen. So, wie es bei einigen von Liebkes Kollegen im Land schon geschieht. Wie etwa bei der Spedition Brandt, die in den Kreisen Demmin und Ludwigslust sowie auf der Insel Rügen Niederlassungen hatte. In anderen Speditionen wie bei der Neubrandenburger Verkehrs-AG, versuchen die Mitarbeiter durch Lohnverzicht ihre Jobs zu retten.

In der Tat sind die Kosten hoch. "Für einen deutschen Fahrer könnte ich zwei oder drei Polen einstellen", sagt Liebke. Aber er macht es nicht. "Das kann nicht der richtige Weg sein." Denn wenn hier weniger Geld verdient wird, sinkt die Kaufkraft, argumentiert der Unternehmer. Er und viele seiner Kollegen wissen, dass sich dann der Teufelskreis mit sinkendem Umsatz und noch mehr Pleiten immer schneller drehen würde.

Bislang ging alles, irgendwie. Selbst mit der Maut, die kaum ein Spediteur dieser Region zu 100 Prozent an seine Kunden weiterreichen kann. Aber jetzt, so der allgemeine Tenor in der Branche, versuchten sich die Mineralölkonzerne am finalen Würgegriff. Die Unternehmer fühlen sich allein gelassen, da "Vater Staat", der den Löwenanteil vom inzwischen schon bis zu 1,10 Euro teuren Diesel abkassiert, nur zusieht.

"Die Situation ist wirklich bitter", sagt Michael Völsen, Spediteur aus Wismar. Und er macht keinen Hehl daraus, dass er froh ist, mit seinen acht 40-Tonnern regelmäßig nach Rotterdam fahren zu müssen und so in den Genuss der niederländischen Dieselpreise zu kommen. Mindestens zehn Cent pro Liter beträgt die Ersparnis an den Zapfsäulen der Nachbarn.

Innerhalb eines Jahres, so rechnet Harry Liebke vor, "ist der Nettopreis für Diesel in Deutschland um 27 Cent gestiegen". Liebkes Frachtkosten verteuern sich um fünf bis sechs Prozent, wenn er seine Fahrer in Deutschland tanken lässt. Sobald sich die Gelegenheit bietet, stoppen die Liebke-Lkw in Luxemburg, wo man Diesel für rund 70 Cent nachfüllen kann - und damit sogar noch etwas günstiger als in Holland.

"Die Schmerzgrenze bei den Dieselpreisen ist schon längst überschritten", so Liebke. Aber wann wird das Ende der Fahnenstange erreicht sein? "Wenn der Diesel hier 1,20 Euro kostet", sagt der Unternehmer, "dann sind wir definitiv am Ende. Dann läuft gar nichts mehr." Durch Preis- und Steuererhöhungen sei noch nie eine Wirtschaft wieder in Schwung gekommen.

Ein Indiz für die schlechten Zeiten ist auch das immer größer werdende Angebot an gebrauchten Lkw aus pleite gegangenen Firmen. "Mir wurden schon so einige Wagen zum Kauf angeboten", sagt Liebke, "für wirklich günstige Preise."

"Wirtschaft und Verkehr - das hängt nun mal zusammen", erklärt Michael Völsen, der die gesamte Entwicklung seiner Branche nur kopfschüttelnd betrachtet. "Im Prinzip können die Grünen doch froh sein, dass wir kein Wachstum haben. Denn sonst wären die Straßen noch voller." Ganz ohne Sarkasmus kann eben auch Völsen den Blick auf die hiesigen Zapfsäulen nicht ertragen.


Von Doreen Dankert, LN

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