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Maut-Ausweichler nutzen Landes- und Bundesstraßen, um zu sparen
Seit Einführung der Autobahn-Maut am 1. Januar hat so mancher Lkw-Fahrer die Bundesstraßen neu entdeckt. Eine beliebte Strecke ist die B 105, um Maut zu sparen. Gegenmaßnahmen sind in in diesem Land allerdings nicht zu erwarten.

Freitag, 15. April 2005 in den Lübecker Nachrichten
Es könnte so schön sein - jetzt, wo das letzte Stück der A 20 den früher verkehrsverstopften Nadelöhren wie Selmsdorf zu fast schon himmlischer Ruhe verholfen hat. Tja, schön war es auch - aber nur bis die Maut kam.

Selmsdorfer Bürger in der Neuen Reihe müssen seit Beginn des Maut-Zeitalters das erleben, woran sie vorher nicht einmal im Traum dachten: Vor ihrer Nase brummen Brummis auf dem Ausweichtrip. In Lüdersdorf runter von der A 20, über die Landstraße und mitten durch Selmsdorf und- rauf auf die B 105 - auf der der Verkehr mittlerweile fast schon wieder so spärlich fließt wie vor dem Mauerfall. Keine Staus, kein Stress. Aber vor allem: keine Maut. Und genau deswegen umfährt manch ein Laster die Bezahlstraße. An manchen Tagen, schimpft ein Anwohner, seien es locker 50 Brummis, die die beschauliche Dorfstraße in Selmsdorf befahren.

Eine andere Strecke im Landkreis, die die Lkw-Fahrer entdeckt haben, ist die südliche Route ab Lüdersdorf. Über Carlow, Groß Rünz und Rehna lässte sich die Schnellstraße ebenfalls prima umfahren.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe sind die Maut-Ausweichler ein Dorn im Auge. Schließlich möchte der Politiker, dass es in seiner Autobahn-Kasse möglichst laut und oft klingelt. "Aber ich bin keine Geld-Maschine für den Staat", erklärt Michael Völsen, Spediteur aus Wismar. Der Unternehmer gibt offen zu, dass seine Fahrer - sofern genügend Zeit ist - die Bundesstraße zum Nulltarif der mautpflichtigen Autobahn vorziehen. "Denn ich fahre ja nicht dem Staat die Kassen voll", so Völsen. "Wir machen unser Geschäft ja nicht zum Spaß, sondern wir müssen Geld verdienen."

Von diesem Geld muss Michael Völsen zehn Fahrer bezahlen. Auch wenn die Maut pro Lkw und Monat mit 6000 Euro Extrakosten zu Buche schlägt. Acht Völsen-40-Tonner rollen durch die Lande. "Und wenn ich dann Maut sparen kann, dann tue ich das auch."

Minister Stolpe hat indessen schon laut darüber nachgedacht, Maut auf Lkw-Ausweichstrecken zu kassieren. Und die Bundesländer um Mithilfe gebeten, den Ausweichlern das Leben ein bisschen unangenehmer zu machen. Durch zeitraubende Polizeikontrollen zum Beispiel.

Andreas Dwars von der Spedition Burchardt in Dassow hält diese Idee "rein persönlich für richtig". Aus Firmensicht betrachtet er das allerdings ganz anders. Außerdem müsse man immer die Verhältnismäßigkeit sehen. "Wenn ich höre, dass jemand seinen Lkw von Sachsen durch Tschechien nach Bayern schickt, um 60 Euro zu sparen, dann finde ich das lächerlich", so Dwars. "Denn dabei geht zu viel Zeit drauf und womöglich auch mehr Sprit für längere Wege." Maßstab sei für ihn der zeitlich effektivste Weg. Deswegen nehmen die Fahrer der Burchardt-Spedition auf dem Weg nach Magdeburg zum Beispiel nicht den Berliner Ring, sondern die Bundesstraße.

"Wirtschaftswachstum", sagt Michael Völsen, "heißt nun mal mehr Handel und Wandel." Und damit auch mehr Verkehr. Einschließlich Lkw. "Und nur damit die Leute denken, sie wohnen im Paradies, fahre ich nicht über Honolulu, wenn ich nach Lübeck will."

In Mecklenburg-Vorpommern zumindest müssen sich Spediteure nicht davor fürchten, dass das Schweriner Wirtschaftsministerium in Sachen Maut-Ausweichler zum Erfüllungsgehilfen für Stolpes Wünsche wird. Es seien keine Maßnahmen geplant, erklärt Ministeriumssprecher Gerd Lange. "Und auch einer Maut auf Bundesstraßen stehen wir skeptisch gegenüber", ergänzt Lange, "denn eine steuerliche Belastung macht das Leben für die Spediteure nicht leichter." Ohnehin sei Mecklenburg-Vorpommern "kein schlimmer Fall" von Ausweichlern. Der Zeitverlust sei den vielen Spediteuren zu hoch, weil es hier zu wenig mehrspurige Bundesstraßen gibt.

Deshalb müssen die Anwohner in der Neuen Reihe auch weiterhin wohl oder übel mit den Maut-Ausweichlern leben. Im Vergleich zu den Nadelöhr-Zeiten aber wohl doch eine deutliche Verbesserung.


Von Doreen Dankert, LN

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