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Toll-Collect-Schlappe wirft Schatten auf Wismar
Geräte eingebaut und nichts funktioniert

Dienstag, 24. Februar 2004 in der Ostsee-Zeitung
Eigentlich sollte es revolutionierend und für die europäischen Nachbarländer zugleich wegweisend sein. Zur nationalen und internationalen Lachnummer ist es allerdings geworden: Das neue Mautsystem der Firma Toll Collect. „Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte man sich über dieses ganze Debakel totlachen“, so die Meinung vieler Fuhrunternehmer, die in den vergangenen Monaten immer noch den vollmundigen Versprechen des DaimlerChrysler-Telekom-Firmenkonsortiums vertraut und ihre Lkw mit den Empfangsgeräten ausgerüstet hatten.

Unter ihnen auch der Wismarer Spediteur Michael Völsen, der einen Wagen seines Fuhrparkes schon mit dieser neuen „Technik“ ausgestattet hat. „Im November vorigen Jahres bekamen wir nach einem fast schon nicht mehr vertretbaren bürokratischen Aufwand unser erstes Gerät“, so Völsen, damals noch guter Hoffnung, dass es sich schon irgendwie einlaufen würde. Anfangsschwierigkeiten eben. Nach dem mit erheblichem technischen Aufwand verbundenen Einbau kam dann auch für ihn die Ernüchterung: „Die Kiste hat genau anderthalb Stunden funktioniert, seitdem herrscht Funkstille“. Wenn es nur das eine Problem wäre, würde er sicherlich darüber hinweg sehen. Vielmehr schmerzt ihn allerdings die dazu gekaufte Software, die notwendig ist, um dem Kunden detailliert die Mautgebühren zu berechnen und nachzuweisen. „Schlappe 5000 Euro in den Sand gesetzt“, so Völsen. Verbittert zeigt er die Software-CD.

Wie unkompliziert und technisch simpel das Mautproblem hingegen in Österreich gelöst wird, demonstriert sein Mitarbeiter Dirk Grodda mit der „Go-Box“ an seiner Lkw-Frontscheibe. Einmal gekauft, rechnet das auf Mikrowellen basierende System die gefahrenen Kilometer über die Tankkreditkartenrechnung mit ab. Fertig. Auch er zeigt wenig Verständnis dafür, dass man in Deutschland technisch „das Rad noch einmal neu erfinden wollte“.

Dass es mit der Maut nun doch nicht klappt, zumindest aber nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt, sieht Spediteur Völsen mit einem lachenden und einem weinenden Auge zugleich. Spart er damit einerseits zwar vorerst Mautgebühren, verweist er aber zugleich auch auf ausländische Firmen, beispielsweise aus Österreich, der Schweiz, Dänemark oder den Niederlanden, die somit weiterhin kostenlos auf unseren Autobahnen fahren. Und nicht nur das. „In diesen Ländern zahlen wir auch Mautgebühren. Der Dieselkraftstoff ist dort aber erheblich billiger und die dort ansässigen Fuhrunternehmer werden steuerlich durch den Staat entlastet“. Das ist in Deutschland leider nicht so, eher im Gegenteil. „Schon das alleine wirkt sich wettbewerbsverzerrend aus. Aber leider haben die Fuhrunternehmer hier in Deutschland, nicht so wie die Kollegen in den anderen Staaten, eine Lobby im Bundestag“, bemängelt Völsen. Er sieht dringenden Handlungsbedarf in Sachen Gesetzgebung seitens der Bundesregierung.

Dennoch müssen seine sieben Lastkraftwagen täglich weiter rollen. Unter den neuen Maut-Autobahnbrücken hindurch, wie sie erst kürzlich auf der A20 in Höhe des Parkplatzes Selliner See errichtet wurde. Bleibt abzuwarten, ob diese irgendwann einmal funktionieren wird, oder als technisches Mahnmal missglückter Ingenieurtechnik „Made in Germany“ die Landschaft verschandelt.


Der Artikel stammt von DANIEL KOCH

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